Bottrop
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Stadt schafft weitere Möglichkeiten zur Unterbringung von Flüchtlingen

Die Flüchtlingszahlen zwingen die Stadt zum Ausbau von Notunterkünften für Flüchtlinge. An der ehemaligen Dürer-Schule werden Container aufgestellt. Weiterhin soll der „Spielraum“ an der Prosperstraße genutzt werden.

Von einer massiven Dynamik spricht Sozialdezernent Willi Loeven angesichts der Flüchtlingszahlen der vergangenen Wochen. Das führe dazu, dass man nun in Bottrop weitere Räumlichkeiten händeringend suche und herrichten müsse, um Menschen in akzeptablen Verhältnissen unterzubringen. „Das, was wir noch zu Beginn des Jahres prognostiziert haben und worauf wir unserer Planungen stützten, ist von der Realität überholt worden“, sagte Loeven bei einem Gespräch mit den lokalen Medien im Rathaus. Dies bedeute auch, dass man den bisherigen hohen Standard, den man in Bottrop bei der Unterbringung umsetzen konnte, in der Form nicht werde halten können. Dennoch will die Stadt alles dafür tun, um auf die Nutzung von Sporthallen oder gar die Aufstellung von Zelten zu verzichten.

Flüchtlinge kommen derzeit nach Bottrop entweder in eine der beiden Stellen zur Erstaufnahme des Landes für einen kurzfristigen Aufenthalt oder als zugewiesene Flüchtlinge an die Kommunen für eine dauerhafte Unterbringung. Die Kapazitäten der beiden Stellen zur Erstaufnahme, von denen sich eine an der ehemaligen Albrecht-Dürer-Schule und eine in einer ehemaligen Tennishalle an der Brakerstraße befinden, sind erschöpft. In dieser und der nächsten Woche müssen insgesamt weitere 200 Flüchtlinge zur Erstaufnahme untergebracht werden. Aus diesem Grund werden nun an der Albrecht-Dürer-Schule Wohncontainer aufgestellt, um zusätzlich Menschen unterbringen zu können. Eine Erweiterung am Standort Brakerstraße ist aus Platzgründen nicht zu realisieren.

Flüchtlingsaufnahmen in Bottrop 2015 nach Kalenderwochen
Um überhaupt Wohncontainer aufstellen zu können, griff die Stadt auf die Hilfe der Johanniter-Unfallhilfe zurück, die Betreiber der Einrichtung an der Schule ist. Derzeit muss bei der Beschaffung von Wohncontainern mit Wartezeiten von bis zu einem halben Jahr gerechnet werden, weil sowohl Wohncontainer als auch mobile Toilettenanlagen oder Bauzäune vor dem Hintergrund der Flüchtlingsproblematik bundesweit Mangelware geworden sind. Die Johanniter hatten aber noch Container im Bestand und konnten so kurzfristig Hilfe leisten.

Seit Anfang Oktober muss die Stadt Bottrop auch größere Zahlen von Menschen versorgen, die ihr dauerhaft vom Land zugewiesen werden. Die Quoten der Landeseinrichtungen auf Stadtgebiet wurden zwar bei der Bemessung berücksichtigt, so dass bis zum September eine geringe Anzahl von dauerhaft verbleibenden Flüchtlingen untergebracht werden musste. Die Zahlen lagen im Mittelwert bei 15 bis 25 Flüchtlinge pro Woche. Seit Oktober liegen sie aber bei 50 bis 90 pro Woche mit steigender Tendenz. Geschuldet ist dies der Lage, die täglich in den Nachrichten verfolgt werden kann. Verteilt werden die Flüchtlinge nach dem sogenannten „Königsteiner Schlüssel“, der vorsieht, dass etwas mehr als 21 Prozent der in Deutschland eintreffenden Menschen nach Nordrhein-Westfalen verbracht werden. Von diesem Landesanteil müssen die Kommunen ihrerseits einen Verteilerschlüssel akzeptieren, für Bottrop sind es 0,66 Prozent des Landesanteils.

Auf der Suche nach einer kurzfristigen Möglichkeit, eine größere Flüchtlingszahl unterzubringen zu können, will die Stadtverwaltung nun auf den „Spielraum“ an der Prosperstraße zurückgreifen. Über eine entsprechende Beschlussvorlage entscheidet der Sozialausschuss am Donnerstag, 29. Oktober. Trägt der Ausschuss die Vorlage mehrheitlich mit, steht der „Spielraum“ bis auf weiteres nicht mehr für Veranstaltungen zur Verfügung.

Allerdings soll nach Vorschlag der Verwaltung das vielfältige Angebot, das für den Stadtteil eine große sozialpolitische Bedeutung hat, fortgeführt werden. Derzeit trifft die Stadtverwaltung daher Absprachen mit allen Nutzern und ist auf der Suche nach Ersatzräumen. Änderungen bei den städtischen Angeboten im „Spielraum“, die beispielsweise vom Fachbereich Schule und Jugend, dem Sozialamt und der Volkshochschule durchgeführt werden, würde die Verwaltung rechtzeitig bekannt geben.

Im „Spielraum“ soll eine Gemeinschaftsunterkunft entstehen, die in ein Betreuungsangebot für die Bewohner eingebettet ist. Dies bedeutet, dass die Stadt einen Träger sucht, der Ansprechpartner vor Ort rund um die Uhr zur Verfügung stellen kann. Zu der Betreuung gehört auch eine Vollverpflegung. Eine dauerhafte Lösung soll der Standort allerdings nicht sein, denn der „Spielraum“ soll so schnell wie möglich wieder seiner eigentlichen Bestimmung zugeführt werden. Daher sucht das Sozialamt nach wie vor Wohnungen für Flüchtlingsfamilien.

Sozialdezernent Willi Loeven hält die Situation für dramatisch, aber nicht für unlösbar. Die Stadt sei äußerst gefordert. „Dennoch glaube ich, dass wir menschenwürdige Unterkünfte und akzeptable Lösungen weiterhin realisieren können“, so Loeven. Ausschließen könne man in Planungen aber generell nichts mehr, dazu sei die Entwicklung zu dynamisch. „Wir haben aber am Ende einen Zustand, der trotz der Verschärfung besser ist, als die Lage in einigen anderen Städten – und dies gründet sich auch darauf, dass das Netzwerk der Hilfeleistung in Bottrop gut funktioniert und es nach wie vor eine große Bereitschaft der Bevölkerung zur Hilfe gibt.“

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Autor: Hel

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